Kleinschecken (KlSch)

 
Im Jahr 1972 begann der Züchter Arnold Hirt aus Dauchingen mit der Kreuzung von Deutschen Riesen Schecken und schwach gezeichneten Englischen Schecken um eine kleinere Scheckenrasse mit den Zeichnungsmerkmalen der Deutschen Riesen Schecken zu erzüchten. Kurz darauf begeisterte sich auch der Züchter Dieter Rapp aus  Deißlingen für die Vision einer neuen kleinen Scheckenrasse (später Zuchtgemeinschaft Arnold Hirt/Dieter Rapp). Da das ein langwieriger Weg mit wenig Erfolg war, wurden von den Züchtern Arnold Hirt und Dieter Rapp im Laufe der Zeit die Tschechische Schecke eingekreuzt - ein Scheckenkaninchen mit den Merkmalen der DRSch in einer Gewichtsklasse von 3.0- 4.0 kg, also etwas schwerer wie das gewünschte zu erzüchtene Kaninchen. Aber durch diese Einkreuzung stellte sich auch bald der gewünschte Erfolg ein.
Im Jahr 1974 wurden bereits die ersten Tiere als „Neuzüchtung“ anlässlich der 11.Bundesschau in Stuttgart vorgestellt und im Jahr 1977 wurden die Kleinschecken als Rasse in den Standard des ZDRK aufgenommen.
 
Wenn zum ersten Mal ein Anfänger der Rassekaninchenzucht einen Kleinscheckenzüchter besucht, wird sich wundern, was für eine bunte Nachkommenschaft er vorfinden wird. Er wird sich fragen, was hat das hier noch mit der Rassekaninchenzucht zu tun, wenn er neben den typisch gezeichneten, auch ungezeichnete und viel zu stark gezeichnete Jungtiere in den Würfen vorfindet, die doch von ausgesuchten schönen Elterntieren abstammen. Aber auch dieser Anfänger wird sehr schnell merken, dass dies in der Scheckenzucht durchaus normal ist.
 
Jeder Scheckenzüchter sollte Wissen, dass er auch wenn beide Elterntiere ideal gezeichnet sind, niemals einen Wurf erhält, in dem alle Jungtiere wieder das typische Zeichnungsbild der beiden Elterntiere zeigen. Wenn in einem Wurf einige wirklich gut gezeichnete Tiere sind kann man sich schon glücklich schätzen. Die Kleinschecke ist spalterbig und bringt in der Regel 6 – 8 Jungtiere zur Welt. Große Würfe sind in der Scheckenzucht wichtig, weil man sonst durch die Spalterbigkeit wenig Ausstellungstiere in den Würfen erhalten würde. Es ist auch nicht Tierschutzkonform, die Würfe nach ausstellungsfähigen Jungtieren zu reduzieren. Für die Ausstellung oder die Zucht untaugliche Jungtiere können an Halter abgegeben oder nach drei bis vier Monaten der Küche zugeführt werden. Beim Zusammenstellen der Zuchttiere sollte jeder Scheckenzüchter wissen, dass das Erscheinungsbild (Phänotyp) eines Schecken nur wenig über sein Erbbild (Genotyp) aussagt.
Die Kopfzeichnung des Zuchtrammlers und der Zuchthäsin sollen sauber sein und keine groben Fehler aufweisen. Vor allem sollten die Zuchttiere nie die gleichen Fehler in der Kopfzeichnung oder Rumpfzeichnung haben. Die Seitenzeichnung ist züchterisch schwer zu beeinflussen, doch sollte der Aalstrich bei beiden Elterntieren gerade, gleichmäßig und nicht zu breit sein. Bei zwei vollen Seiten mit groben Seitenflecken ist oft auch ein breiterer Aalstrich vorhanden, bei einer sehr schwachen Seitenzeichnung fehlt oftmals die Farbe in der Blumenspitze und der Aalstrich wird sehr schmal. Bei intensiver Weiterzüchtung mit schwachen Seitenzeichnungen und schmalen Aalstrich erhält man Tiere bei denen der Aalstrich wieder unterbrochen ist. Doch sollte ein unterbrochener Aalstrich beim heutigen Zuchtstand der Kleinschecken eigentlich der Vergangenheit angehören.
Heute gibt es schon sehr schöne Fellträger und Farbträger in der Kleinscheckenzucht, wobei man beachten sollte, dass farbintensiveren Schecken meist eine etwas grobe Kopf- bzw. Seitenzeichnung mit einem breiten Aalstrich aufweisen. Hat man eine feine Seitenzeichnung fehlt meist an der Blumenspitze die satte Farbe.   
 
Schecken lassen sich niemals rein züchten, weil typisch gezeichnete Tiere immer spalterbig (heterozygot) sind. Das bedeutet, dass sie zweierlei Anlagen für Zeichnung haben, von einem Elternteil eine Erbanlage für Scheckung und vom anderen Elternteil eine entgegengesetzt wirkende für Einfarbigkeit.
Wir bezeichnen die Anlage für Scheckung mit dem Buchstaben K  (En)
und die für die Einfarbigkeit dagegen mit k (en).
Diese Erbformel gilt zumindest für die Tiere die man auf Ausstellungen sieht.
Für die Scheckung der Tiere sorgt K/k  (En/en), wir haben es mit einer spalterbigen Erbformel zu tun.
 
Die Kleinschecken schwarz-weiß haben folgende Erbformel:
 

Deutsche Symbolik
 
Internationale Symbolik
 
 
 
ABCDg K
 
aBCDE En
ABCDg k
 
aBCDE en

 
 
Die Kleinschecken blau-weiß haben folgende Erbformel:
 
Deutsche Symbolik
 
Internationale Symbolik
 
 
 
ABCdg K
 
aBCdE En
ABCdg k
 
aBCdE en
 
 
Die Kleinschecken havannafarbig-weiß haben folgende Erbformel:
 
Deutsche Symbolik
 
Internationale Symbolik
 
 
 
ABcDg K
 
abCDE En
ABcDg k
 
abCDE en
 
 
Bei einer Verpaarung von 2 spalterbigen Tieren (Typenschecken K/k) ist theoretisch mit folgender Aufteilung bei den Nachkommen zu rechnen:
25 % reinerbige Schecken (KK), diese Tiere (Chaplins) tragen nicht die typischen Abzeichen der Schecken-kaninchen, meistens haben sie keine Punkte auf den Flanken und auch andere Zeichnungsmerkmale sind unterbrochen oder fast gar nicht vorhanden.
50% spalterbigen Typenschecken (K/k), diese Tiere sehen so aus, wie ihr die Tiere von den Schauen her kennt, natürlich gibt es immer Abweichungen in den Zeichnungsmerkmalen.
25% reinerbige, einfarbige Tiere (schwarz, blau, oder havannafarbig).
Von dieser Art der Verpaarung sollte laut Tierschutzaspekt (seit 2002) abstand genommen werden.
Schaubild Kleinschecken 1
 
 
Eine weitere Art der Verpaarung wäre ein reinerbigen Schecke (K/K) und einem reinerbigen, einfarbigen Tier (k/k).
In diesem Falle können nur spalterbige Typenschecken (K/k) entstehen, auch von dieser Art der Verpaarung sollte laut Tierschutzaspekt (seit 2002) abstand genommen werden.
Schaubild Kleinschecken 2
 
  
 
Oder die Verpaarung einer reinerbigen Schecke (K/K) und einem reinerbigen, spalterbigen Typenschecken (K/k). Bei dieser Verpaarung fallen 50 % reinerbigen Tiere (K/K) und 50% spalterbige Typenschecken (K/k) auch von dieser Art der Verpaarung sollte laut Tierschutzaspekt (seit 2002) abstand genommen werden.
Schaubild Kleinschecken
 
 
Da der Faktor für Punktscheckung im reinerbigen Zustand – sogenannte Chaplins (KK) mit einer verminderten Vitalität der Tiere einhergeht, ist aus Tierschutzaspekten jede Art der Verpaarung seit einigen Jahren nicht mehr zugelassen. Denn es kommt unter den reinerbigen Schecken (KK) des Öfteren zu einem Lethalfaktor (nach Majaura besser Semilethalfaktor * ).
 
 
 
 Aus diesem Grund wird die Verpaarung Typenschecke (K/k) mal einfarbiges Tier (k/k) (seit 2002) empfohlen.
 
Bei dieser Verpaarung fallen 50% spalterbige Typenschecken (K/k) und 50 % einfarbige Tiere (schwarz, blau, oder havannafarbig) (k/k).

Dieses Ergebnis kann man natürlich nicht bei jedem Wurf erzielen, denn diese fallen sehr Unterschiedlich aus, aber auf eine komplette Zuchtsaison gesehen kommen diese Ergebnisse schon etwa hin.

Leider führt nach Aussage vieler Scheckenzüchter dies zu einer gröberen Seitenzeichnung.
Schaubild Kleinschecken 3
 
 

Die Zeichnung der Typschecken ist im wesentlichen gekennzeichnet durch den Schmetterling, die Backenpunkte, vollständig gefärbten Ohren, den Aalstrich, der sich bis zur Oberseite der Blume zieht und die Seitenflecken, die als einzelne Punkte ausgebildet sein müssen. Die in dem Standard geforderte Idealzeichnungen wird auch bei Typenschecken nicht von allen Tieren erreicht.

Schaubild Kleinschecken 5

1

2

3

4

5

6

7

8

 

Backenpunkt

Schmetterling

Dorn

Augenring

Ohrenzeichnung

Seitenzeichnung

Aalstrich

Beinfleck

 

 
 
* Allerdings gibt es auch Literaturhinweise, dass diese Semilethalfaktoren, die offenbar vor allem zu Problemen im Verdauungstrakt führen, durch geeignete Ernährung für das Einzeltier und für die Rasse durch entsprechende Selektion überwunden werden könnten.
  
 
Die Standardbeschreibung der Kleinschecken: (Quelle: Deutscher Standard 2004)
 
Bewertungsskala
Punkte
1. Gewicht
 
20
2. Körperform, Typ und Bau
 
20
3. Fellhaar
 
15
4. Kopfzeichnung
 
15
5. Rumpfzeichnung
 
15
6. Farbe
 
10
7. Pflegezustand
 
5
 
 
100
 
Gewichtsbewertung
2,25
bis 2,50
bis 2,75
bis 2,875
bis 3,00
über 3,00
Höchstgewicht
15
16
17
18
19
20
3,75 kg
 
 
 
1. Gewicht
Normalgewicht über 3,0 kg; Mindestgewicht 2,25 k; Höchstgewicht 3,75 kg
2. Körperform, Typ und Bau
Der Körper ist gedrungen und walzenförmig. Schmale, sich nach vorne verjüngende Körper sind fehlerhaft und werden dem gewünschten Typ nicht gerecht. Die Rückenlinie verläuft ebenmäßig und ist hinten gut abgerundet. Der Kopf ist kurz und kräftig und dicht am Körper angesetzt, ein schmaler spitzer Kopf ist unerwünscht. Die Ohren sind fest im Gewebe und entsprechen in ihrer Länge dem Körper. Die mittellangen Läufe sind kräftig. Die Häsin ist im Ganzen etwas feiner gebaut und möglichst wammenfrei. Bei älteren Häsinnen ist Wammenansatz zulässig.
Oftmals trifft man immer noch auf Tiere mit schmalen Schultern und schwachen dünnen Läufen, diese Tiere sollte man auf keinen Fall mehr in der Zucht einsetzen.
3. Fellhaar
Das Fellhaar ist dicht, fein und gleichmäßig sowie nicht zu lang begrannt, so sind die Zeichnungsmerkmale besser erkennbar. Die Ohren sind gut behaart. Es gibt Kleinschecken mit sehr gutem Fellhaar, sodass man hier auch deutliche Unterschiede bei der Punktvergabe machen kann.
4. Kopfzeichnung
Diese besteht aus dem Schmetterling, den Augenringen, den Backenpunkten und den Ohren. Der Schmetterling soll gut ausgeprägt sein. Dazu gehört ein schön abgerundeter Dorn und volle Flügel, die den Unterkiefer beidseitig einfassen. Man sollte hierbei beachten, dass es keine etwas schmale bzw. schwache Unterkiefereinfassung gibt. Entweder sie fehlt einseitig, dann ist es ein leichter Fehler oder sie fehlt gänzlich, dann liegt hier ein Ausschlussgrund vor. 
Die Augenringe sind geschlossen und gleichmäßig breit, die oben am Augenring auftretenden kleinen Zacken bleiben bei der Bewertung unberücksichtigt. Die Backenpunkte sind rund oder oval und stehen frei unter den Augenringen. Die Ohrenzeichnung ist an der Wurzel scharf abgegrenzt.
Leichte Fehler:
Gezackter Schmetterling, unschöner Dorn, einseitiges Fehlen der Unterkiefereinfassung, Ungleichmäßige oder grobe Augenringe, unreiner Ohrenansatz, unreiner Kopf  (Spritzer).
Schwere Fehler:
Unvollständiger Schmetterling, fehlender Dorn. Gänzlich fehlende seitliche Unterkiefereinfassung. Am Unterkiefer geschlossene Einfassung. Ein– oder beidseitig anhängender Backenpunkt. Fehlen eines oder beider Backenpunkte. Nicht geschlossener Augenring. Zusammenhängen von Augenringen mit dem Schmetterling, den Backenpunkten oder der Ohrenzeichnung.
5. Rumpfzeichnung
Die Rumpfzeichnung wird gebildet vom Aalstrich und der Seitenzeichnung. Der Aalstrich verläuft glatt und gleichmäßig breit( etwa 2cm) vom Genick bis zur Blumenspitze durch.
Die Seitenzeichnung besteht aus einzelnen freistehenden, nicht zu großen Flecken von etwa 2 cm Durchmesser. Sie sollen auf beiden Seiten auf Flanken und Schenkeln gleichmäßig verteilt sein. Auf jeder Seite werden 5-7 Seitenflecken gewünscht. Etwa vorhandene Flecken an Brust, Bauch und Läufen oder Unterseite der Blume bleiben unberücksichtigt.
Leichte Fehler:
Gezackter oder ungleichmäßiger, breiter oder schmaler Aalstrich. Unterbrechung des Aalstriches vom Genick bis zum Ende der Schulterblätter oder vom Ansatz der Blume bis zur hochgelegten Blumenspitze. Am Aalstrich leicht anhängende Seitenzeichnung, schwache volle oder ungleichmäßige Seitenzeichnung. Anlage zur Kettenzeichnung, mehr als ein am Körper freistehender Kettenpunkt auf einer Körperseite oder beidseitig. Genickpunkte, die vom Aalstrich weniger als 2 cm entfernt sind, gelten nicht als Kettenpunkte.
Schwere Fehler:
Deutlich sichtbare Unterbrechung des Aalstriches zwischen den-- Schulterblättern und der hochgelegten Blumenspitze. Starkes Zusammenhängen der Seitenzeichnung mit dem Aalstrich. Sattel- oder Mantelzeichnung. Mehr als zwei freistehende Kettenpunkte auf einer Seite. Gänzliches Fehlen eines Zeichnungsmerkmales.
6. Farbe
Anerkannt sind die Farbenschläge schwarz-weiß, blau-weiß und havanna-weiß. Die Grundfarbe, mit gutem Glanz versehen, ist reinweiß. Ebenso weiß ist hier die Unterfarbe, die sich von der Grundfarbe nicht unterscheidet. Die Zeichnungsfarbe ist nicht mit andersfarbigen Haaren durchsetzt. Kleine weiße Flecken im Genick und im Aalstrich vom Genick bis zum Ende der Schulterblätter sowie im Bereich der Blume bis zur hochgelegten Blumenspitze bleiben unberücksichtigt.
Die Deckfarbe Schwarz ist satt schwarz und mit gutem Glanz versehen. Je satter die Farbe, desto besser. Die Deckfarbe des gesamten Körpers ist gleichmäßig getönt.
Die Unterfarbe ist dunkelblau je intensiver desto besser und erstreckt sich bis auf den Haarboden.
 
Das Schaufertig machen!!!
Dazu gehört u.A. das Krallen schneiden, die Geschlechtecken säubern und hier und da auch ein unerwünschtes Haar entfernen.
Man sollte sich dabei auf das Wesentlichste konzentrieren, denn das extreme Schaufertig machen ist für die Kaninchen eine Qual. Oft hat man das Gefühl, dass mache Züchter nur die Zeichnungsmerkmale der Kleinschecken im Kopf haben und mit diesen wollen sie dann punkten. Bei der Bewertung der Kleinschecken wird aber das züchterische Talent benotet und nicht das Frisiertalent des Züchters.
In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass Tiere, die auf Ausstellungen zum Verkauf angeboten werden, nicht zu sehr mit der Pinzette behandelt sein sollten, da sich ansonsten der Käufer hinterher über auftretende farbige Spritzer sowie weiße Durchsetzung der Zeichnungsmerkmale ärgert.
 

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