Das Hasenkaninchen

 
Das Hasenkaninchen ähnelt in seinem Körperbau dem des Hasen, ist mit diesem aber nicht verwandt und ist auch keine Kreuzung zwischen den beiden Tieren, da dies biologisch nicht möglich ist.
 
Bei der Rasse liegt eine Mutation der Fellfarbe und der Körperform zugrunde. Der rötliche Ton des Fellhaares geht auf die Summierung der verstärkten Gelbpigment-Faktoren (y) zurück, wodurch aus wildgrau hasenfarbig entsteht; hasenfarbig war schon um das Jahr 1850 bekannt und für die damaligen Tiere bereits charakteristisch.
 
Das Ursprungsland der Hasenkaninchen ist Belgien, hervorgegangen ist es aus grauen „Belgischen Riesen“. Diese Tiere wurden schon um 1800 als schlanke Tiere mit etwas längeren Läufen gehalten. 1860 taucht in der Literatur zum ersten Mal der Name „Belgian hare“ auf, im Jahre 1874 wurden die ersten Belgischen Hasen nach England importiert und dort wurde es zu einem Aufsehen erregenden Sportkaninchen mit ebenso hervorragenden wirtschaftlichen Qualitäten erzüchtet. 1880 wurde in England der erste Spezialklub gegründet und ein Standard erstellt.
Wenig später begeisterten sich auch die Züchter in den USA für die Hasenkaninchen.
Im Jahre 1900 wurden die ersten Hasenkaninchen in Leipzig gezeigt, welche aus England eingeführten wurden. Das Hasenkaninchen wurde von da an, in Deutschland ebenso schnell bekannt, wie in vielen andren Ländern, es wurden auch hier zahlreiche Spezialklubs gegründet.
 
Zur Zeit gibt zwei anerkannte Farbschläge in der Hasenkaninchenzucht und ein Farbenschlag unterliegt noch den Nach-/Neuzuchtverfahren.
 
 
national
international
Hasenkaninchen, rotbraun
ABCDGy...w/ABCDGy...w
CEBDAy...w/CEBDAy...w
Hasenkaninchen, weiß-Rotaugen
a----/a----
c----/c----
Hasenkaninchen, lohfarbig-schwarz
(Nach-/Neuzucht)
ABCDgoyw/ABCDgoyw
CEBDatyw/CEBDatyw
 
Für diese lebhafte Rasse sind geräumige Käfige (mindestens 80 cm x 80 cm x 65 cm) erwünscht, denn die Tiere bewegen sich gerne. Vor allem ist in der Zucht auf die langen Vorderläufen und die entsprechend gut gebauten Hinterläufen zu achten, welche die hohe Stellung der Tiere begünstigt. Damit das Hasenkaninchen auf dem Richtertisch seine hohe Stellung zeigt, sollte man sich viel mit dem Tieren beschäftigen. Zutrauliche, an die Hand gewöhnte Tiere benehmen sich ausgeglichen und gehen auf die Hilfen des Preisrichters ein, um die hohe Stellung zu prüfen. Jedoch gibt es sehr lebhafte Linien und bei der Bewertung sollte der Preisrichter und der Zuträger immer ein Auge auf das Tier haben.
Für die Besucher einer Kaninchenausstellung ist das Hasenkaninchen eine große Bereicherung, denn der Typ des Hasenkaninchens (sportlich-grazile Rasse) unterscheidet sich stark von den meisten übrigen Rassen (gedrungene Form ).
 
Das Hasenkaninchen ist mit einem langgestrecktem und schnittigem Körper zu beschreiben. Die Läufe sind lang und feingliedrig. Sie müssen in Harmonie zum übrigen Körper stehen. Die Vorderläufe werden vom Ellenbogen bis zu den Zehen gemessen und haben in der Regel eine Länge von mindestens 15 cm. Der Kopf der Hasenkaninchen ist viel länger und gestreckter als bei den übrigen Rassen. Er wird auf einem hoch aufgereckten, deutlich sichtbaren Hals getragen. Die Häsin soll möglichst Wammefrei sein und der  Rammler sollte keinen Kinnknoten zeigen. Durch die hohe Stellung des Tieres ist die Brust hoch aufgezogen (der Bauch bildet eine Röhre), man muss eine hochkant gehaltene Hand bequem unter dem Leib hindurchschieben können. 
 
Betrachtet man das Hasenkaninchen, rotbraun so ist erkennbar, dass viel Rot das äußere Erscheinungsbild beherrscht, dafür sind die farbverstärkenden y-Faktoren ausschlaggebend. Ein wenig liegt es aber auch an dem kürzeren Fellhaar dieser Rasse im Vergleich zu den anderen Normalhaarigen der mittleren Größenordnung. Das etwas kürzere aber dichte Fellhaar unterstreicht noch ein wenig mehr die schnittige Form des Hasentyps
Das Wichtigste für eine gute Farbqualität ist eine kräftige, leuchtende eher rotbraune als rostfarbige Zwischenfarbe, die nicht zu schmal sein sollte. Hier kommt der Breitbandfaktor ins Spiel, dessen Wirkung gerade bei den rotbraunen Hasenkaninchen eine wichtige Rolle spielt.

Die Deckfarbe des Felleshaares ist ein fuchsiges rotbraun und wird durch schwarze Haare schattiert. Das ähnelt beinahe einer Beraupung, eine flockige Schattierung tritt besonderst auf dem Rücken stark in Erscheinung. Die Ohren sind besonders an den Spitzen schwarz umrändert. Die schwarze Blumenoberseite ist fuchsiges rotbraun durchsetzt, während ihre Unterfläche ebenso wie Schoßflecken, der Bauch und die Kinngegend heller, lohfarbig getönt sind. Die Unterfarbe ist in etwa einem Drittel der Haarlänge sattblau. Die Zwischenfarbe ist leuchtend rost- bis rotbraun. Die Augen sind dunkelbraun, die Krallen dunkelhornfarbig. 

 

Musterbeschreibung

 
 
 
Punkte
1.
Gewicht
20
2.
Körperform, Typ und Bau
20
3.
Fellhaar
15
4.
Läufe
15
5.
Deckfarbe und Schattierung
15
6.
Zwischen- und Unterfarbe
10
7.
Pflegezustand
5
 
 
100
 

2,5...
bis 2,25
bis 3,00
bis 3,25
bis 3,50
über 3,50
Höchstgewicht
15 Pkt
16 Pkt
17 Pkt
18 Pkt
19 Pkt
20 Pkt
4,25 kg

 
 
1. Gewicht
Normalgewicht über 3,50 kg. Mindestgewicht 2,50 kg. Höchstgewicht 4,25 kg.


2. Körperform, Typ und Bau
Der Körper ist langgestreckt und schnittig; entscheidendes Typmerkmal ist die hohe Stellung. Der Rücken ist fein gewölbt, die Lendenpartie ist abgerundet. Die Brust wird hoch getragen und ist Wammenfrei. Die Blume ist länger als bei anderen Rassen, das Hin- und Herschlagen (spielende Blume) ist kein Fehler. Der Kopf ist länglich und edel geformt, der feine Hals tritt im Gegensatz zu anderen Rassen deutlich in Erscheinung. Die Ohren sind fein im Gewebe, gut aufgesetzt, sehr beweglich und entsprechen in ihrer Länge dem gestreckten, schnittigen Körper.
Leichte Fehler: Siehe "Allgemeines". Insbesondere: Etwas plumper, etwas massiger und zur Kürze neigender Körperbau. Etwas knochiger Rücken. Etwas tiefe Stellung. Nicht entsprechende Kopfbildung. Etwas kurze Ohren, grobes Ohrengewebe.
Schwere Fehler: Siehe "Allgemeines". Insbesondere: Stark knochiger Rücken, stark eingefallene Weichen. Fehlende Stellung und Bodenfreiheit.


3. Fellhaar
Der Typ des Hasenkaninchens wird unterstützt durch ein - im Vergleich zu anderen mittelgroßen Rassen - deutlich kürzeres Fellhaar. Das Fellhaar ist daher knapp mittellang, reichlich begrannt und zeichnet sich durch eine gute Unterwolldichte aus. Die Ohren sind gut behaart.
Leichte und schwere Fehler: Siehe "Allgemeines".


4. Läufe
Die recht langen, gerade aufgesetzten und feinen Vorderläufe bewirken die typische hohe Stellung des Hasenkaninchens. Die möglichst kurzen Zehen bewirken den so genannten Katzentritt. Ebenfalls recht lang und schmal sind die parallel zum Körper verlaufenden Hinterläufe. Beim Rammler sind die Läufe naturgemäß kräftiger als bei der Häsin.
Leichte Fehler: Etwas kurze und/oder etwas grobe, starke Läufe; schwache, leicht Durchtretende Vorderläufe; nicht gerade aufsitzende Vorderläufe. Nicht parallel zu Körper stehende Hinterläufe. Teilweiße versteifte Zehen
Schwerer Fehler: Zu kurze und/oder zu grobe, starke Läufe, starkes Durchtreten der Vorderläufe. Starke Kuhhessigkeit. Gänzlich versteifte Zehen.


5. Deckfarbe und Schattierung
Die Deckfarbe ist kräftig leuchtend rotbraun und reicht seitlich an den Flanken herab. Die Farbe von Brust und Vorderläufen soll mit der Deckfarbe übereinstimmen, jedoch nicht schattiert sein. Kinn und Bauchdeckfarbe sind lohfarbig, die Unterseite der Blume ist cremefarbig ab getönt. Die kräftig ausgeprägten Ohrenränder sind schwarz gefärbt und sauber abgegrenzt. Die Blumenoberseite ist intensiv gesprenkelt. Die Augen sind dunkelbraun, die Krallen dunkelhornfarbig. Die flockige Schattierung tritt besonders auf dem Rücken stark in Erscheinung. Sie wird von den bündelartig beisammen stehenden Grannenhaaren gebildet.
Leichte Fehler: Schwache Schattierung; schwache Sprenkelung auf der Blumenoberseite. Etwas helle Seiten und/oder Schenkel. Leichte Durchsetzung der der Deckfarbe mit weißen Haaren. Schmale Ohrenränder; durch Ein- oder Ausläufer unsauber abgegrenzte Ohrenränder; leichte Durchsetzung der Ohrenränder mit andersfarbigen Haaren. Helle Kinnbackeneinfassung, helle Hinterläufe oder weiße Unterseite der Blume.
Schwere Fehler: Gänzliches Fehlen der Schattierung bzw. der Sprenkelung auf der Blumenoberseite. Stark helle und/oder graue Seiten. Stark durchsetzte Deckfarbe. Sichtbare weiße Flecken in der Deckfarbe. Stark weiß durchsetzte Ohrenränder oder sichtbar weißer Büschel oder Fleck im Ohrenrand. Andere als braune Augen, zweierlei oder pigmentlose (weiße) Krallen.

6. Zwischen und Unterfarbe
Die Zwischenfarbe ist leuchtend rost- bis braunrot. Die Unterfarbe ist blau und mit etwa 1/3 der Haarlänge nicht zu breit. Die Bauchunterfarbe braucht nur in Brust- und Schoßpartie vorhanden zu sein.
Leichte Fehler: Etwas matte Zwischenfarbe. Etwas helle und/oder durchsetzte Unterfarbe. Etwas breite Unterfarbe. Schwache blaue Unterfarbe im Brust- und/oder Schoßbereich.
Schwere Fehler: Fehlende Zwischenfarbe. Stark unreine, farblichvermischte Unterfarbe. Fehlende blaue Unterfarbe im Brust- und/oder Schoßbereich.

7. Pflegezustand
Siehe "Allgemeines".
 
 
Link zur Musterbeschreibung:
 
 
Hasenkaninchen, weiß-Rotaugen
 
Hasenkaninchen, lohfarbig-schwarz

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